Fleche Autrice 24h Brevet

Die geplante Strecke zur Fleche Autrice mit Windprognose

Nachdem ich letztes Jahr sehr daran gezweifelt hatte, in naher Zukunft wieder mehrtägige Fahrradrennen bestreiten zu wollen habe ich mich zur Abwechslung mal an ein weitaus kürzeres Format gewagt.
Anknüpfend an die bis in die 1940er Jahre zurückgehende französische Tradition des Fleche Velocio wurde 2021 erstmalig vom Österreischen Randonneurclub (https://randonneurs-austria.at/) ein Fleche in Österreich organisiert.
Die ganze Sache ist ganz einfach erklärt: Teams von 3-5 Personen starten einheitlich um 09:00 und versuchen in 24 Stunden eine für sie passende Strecke zurückzulegen. Als Ziel wurde das Schloss Traun am Folgetag um 09:00 vereinbart.
Startpunkt und Wahl der Strecke ist den Teams überlassen. Anhand von selbst festgelegten Kontrollstellen wird die gefahrene Stecke nachgewiesen (Nachweis mittels Stempel und Uhrzeit in der Brevetkarte – Alternativ auch Kassabon oder Foto). Überprüft wird die kürzest mögliche Distanz zwischen den Kontrollstellen. Es sind mindestens vier, maximal 10 Kontrollstellen einzuhalten.
Wichtig ist vor allem auch die Einhaltung der 22h Kontrolle. Diese findet eben nach 22 Stunden statt und muss mindestens 25km vor dem tatsächlichen Ziel liegen.
Soviel zu den „Spielregeln“

Gemeinsam mit Nico und Patrick haben wir uns bereits im März eine feine Strecke zusammengestellt. Die Kontrollpunkte und möglichen Verpflegungsstellen wurden in gewohnter Manier in ein Roadbook eingepflegt, welches sich unterwegs immer als sehr nützlich erweist. Tankstellen, Supermärkte, Wasserhähne und Imbisse sollten uns über die 24h bringen.
Patrick hat bereits einige Langdistanzrennen hinter sich. Wir sind gemeinsam beim TCR 07 2019 und beim Three Peaks 2020 gestartet. Nico bereitet sich aktuell auf das Three Peaks 2021 vor. Eine perfekte Gruppenzusammensetzung also!

In einer Bäckerei in Wien Hietzing kam der erste Stempel in die Brevetkarte. Pünktlich um 09:00 ging es los.
Der morgenliche Regen ließ zum Glück nach, dafür kam kräftiger Wind auf, welcher uns gut 150km streng von vorne entgegenbließ. In geschlossener Formation ging es zum zweiten Kontrollpunkt in Waidhofen an der Ypps. Gemäß Wetterprognose sollte der Wind von hier ab nachlassen – was er dann auch tatsächlich tat! Aber immerhin waren wir auf den ersten Kilometern trocken geblieben.
Es ging weiter in Richtung Ennstal. Die Sonne ließ sich nur selten blicken. Die umgrenzenden Bergspitzen waren alle noch mit Schneeresten überzogen. Das Ausbleiben des Windes tat der Moral sehr gut und wir machten wieder gut Strecke.
Kurz vor dem Anstieg auf den Buchauer Sattel setzte wieder Regen ein. Am Sattel auf 850m angekommen empfing uns aber bestes Wetter. Die Abfahrt Richtung Lizen mit Blick auf das Gesäuse war rasant!
In Liezen Kontrollpunkt 3 gut 45min. vor unserer internen Zeitplanung erreicht. Da bleibt natürlich etwas Zeit, um ausgiebig vor der Tankstelle Energie zu tanken. Nur nicht zu viel – sonst kommt man nicht mehr in Schwung!
Von Liezen aus ging es dann vorbei am weiß eingezuckerten Grimming hinauf nach Bad Mitterndorf. Regen und Sonne wechseln sich ab. Autoverkehr ist kaum vorhanden. In enger dreierformation kommen wir wieder sehr flott voran.
Die Abfahrt Richtung Aussee wird mit ein paar Sonnenstrahlen versüßt. Der Schwung wird noch mitgenommen auf den Koppenpass, der sich noch kurz zwischen uns und dem Kontrollpunkt vier stellt.
Hallstadt bekamen wir noch bei Tageslicht zu Gesicht. Dem Wetter und auch der Urzeit geschuldet war recht wenig los im Stadtkern.
Auf dem Weg nach Bad Goisern wird es dann dunkel. Bevor wir aber unsere tatsächliche Nachtfahrt starten gibt es noch eine Stärkung in der Pizzeria Peppone. Nico und Patrick wählen klassich Pizza, ich ziehe Pasta vor und habe meine Wahl nicht bereut. Pizza kann wirklich lange im Magen liegen! Nico wird die kommenden 1 1/2 Stunden nicht mehr am Auflieger liegen, um den vollen Magen nicht zu beleidigen!
Patrick steckt sich noch ein paar Lagen Alu-Folie unters Trikot um für die kühle Nacht gerüstet zu sein. Auch ich ziehe mir noch einmal alles an, was ich im Gepäck habe und los gehts!

Von Bad Ischl ging es nach Weißenbach am Attersee. Eine trockene, fast windstille Nacht liegt vor uns. Auf dem Weg zum Attersee huschen unzählige Mäuse über die Straße. Für viele sind die Autos einfach zu schnell, aber auch vor unseren schmalen Reifen müssen sie sich in Acht nehmen.
Die beleuchtete Uferzone des Attersees erinnert schon ein bisschen an das Meer. Nur die Temperaturen stimmen nicht. Bis in die Morgenstunden wird das Thermometer nicht mehr zweistellig werden.
Die geplante Wasserquelle am Attersee haben wir wegen Dunkelheit leider übersehen, konnten dann aber an einem Brunnen in Unterach die Flaschen wieder füllen.

Bis zum Kontrollpunkt fünf in Ried im Innkreis waren noch einige Höhenmeter zu bewältigen. Unser Dreiergespann blieb immer eng beisammen, was sicher auch dazu beitrug, dass keiner von uns mit Müdigkeit zu kämpfen hatte.
Die Kontrollstelle in Ried im Innkreis war weise gewählt. In Oberösterreich wird nämlich gegen 21:30 das Licht abgedreht. Kaum eine Tankstelle hat danach noch Betrieb. Da hilft natürlich ein 24h Imbissladen weiter. Dank Mikrowelle konnte sich Patrick sogar eine Portion Curry Wurst zubereiten.
Umgeben von brummenden Kühlaggregaten gönnten wir uns dann aber noch 35min. Ruhe. Die Abwärme der Kühlgeräte sorgte für eine sehr angenehme Raumtemperatur. (20 Grad drinnen statt 5 Grad draussen!)

Wir waren immer noch sehr gut in der Zeit. 380km lagen schon hinter uns. Die Vorstellung, nur noch ca. 140km vor uns zu haben ließ das gesamte Vorhaben schon sehr realistisch werden.

Die opionale Rastelle in Suben (24h Tanstelle neben der Autobahn) ließen wir hochmotiviert links liegen und rollten weiter in Richtung Schärding und von dort dann am Inn entlang nach Passau zum Kontrollpunkt sechs.
Der nördlichste Punkt unserer Tour war erreicht. Zeit hatten wir genug. Wir lagen gut eine Stunde vor unserem Soll. Heiße Schokolade um 4:00 hebt die Stimmung!
Am rechten Donauufer ging es dann recht zügig flussab. Ein kurzer Gruß über die Donau nach Obernzell, dem Wohnort meiner Oma.

Lagebesprechung im Team zur 7:00 Kontrolle… Bisher war alles weit flotter von Statten gegangen als gedacht. Nun standen wir vor dem „Problem“, dass wir bei dem aktuellen Tempo vermutlich schon vor 8:00 in Traun sein werden und die 22h Kontrolle weniger als 25km vom Zielpunkt entfernt liegt.
Option 1: die Strecke ändern und 30-40km dranhängen
Option 2: abwarten und entsprechend lange Pause machen
Patrick war recht eindeutig bei seiner Antwort („ich fahre dem Strich meines Navis nach und keinen Meter mehr!“) und so verbrachten wir eine sehr ruhige halbe Stunde in einer Bushütte in der Nähe von Haibach, warteten geschützt vor dem Regen bis es 7:00 war, schossen unser Kontrollbild und fuhren dann in strömendem Regen weiter Richtung Traun.
Nachdem wir nicht deutlich vor 9:00 am Schloss Traun ankommen wollten gönnten wir uns dann noch ein kleines Frühstück im örtlichen Cafe. Unter dem Tisch vereinte sich eine gewaltige Wasserlacke und olfaktorisch war es auch kein Nachteil, dass unsere Nebentische noch nicht besetzt waren.
Man wundert sich manchmal, wie rasch feuchte Klamotten zu riechen beginnen können…

Um 08:50 dann das obligatorische Zielfoto des Veranstalters vor dem Schloss Traun aber dann gleich noch ein paar km weiter nach Haid zum eigentlichen Ziel. Hier trafen sich dann sämtliche Teams, die sich am Tag zuvor aus Österreich und Deutschland auf den Weg gemacht hatten. Für unser Team waren es am Ende 510km.

https://randonneurs-austria.at/fleche-autriche-finisher

3 Gedanken zu „Fleche Autrice 24h Brevet

  1. Tolle Sache, toller Bericht! Respekt zu eurer Motivation und schön, dass ihr eine stimmige Gruppe wart!
    LG
    Paul Richter

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